CDU fordert Parkgebühren für Fahrräder – und hat nichts verstanden

> Und warum Fahrradfahrer*innen eine immer bessere Infrastruktur, neue Radwege, Abstellplätze und Servicestationen geboten werden, ohne dass ihnen die Mehrkosten aufgeladen werden. Fällt Ihnen einer ein? Stichwort: Klimawandel und Luftverschmutzung. Davon haben Sie schon gehört, oder? <

Ich wünschte, die Luftverschmutzung wäre wirklich das einzige Problem des Individualverkehrs. Dann ließe es sich tatsächlich durch Elektroautos lösen. Leider ist das aber nicht so. Elektroautos lösen exakt ein Problem: Das des lokalen Schadstoffausstoßes in Städten. Wenn der Strom irgendwann mal zu größeren Anteilen aus erneuerbaren Energien gewonnen wird, vermindern sie auch den globalen Schadstoffausstoß. Aber das war es dann auch schon. Es bleiben z.B. Staus, zugeparkte Innenstädte und Wohngebiete, die wahnsinnige Verschwendung von Ressourcen zum Bau und zur hoffentlich umweltschonenden Entsorgung der Fahrzeuge. Dann wäre das noch der extrem hohe Flächenverbrauch durch Straßen und Parkplätze, die die Lebensqualität der Städte reduzieren. Und leider sind e-Autos auch nicht wirklich leise, auch schon bevor die gesetzlich vorgeschriebenen Geräuschgeneratoren eingebaut werden.

Im Gegensatz dazu vermeidet das Fahrradfahren einige dieser Probleme, das ist unbestreitbar. Und diverse Städte, vor allem leider im Ausland, haben gezeigt, dass mehr Infrastruktur für Radfahrer dazu führt, dass mehr Fahrrad gefahren wird und parallel dazu der Autoverkehr abnimmt, während mehr und breitere Straßen zu mehr Autoverkehr führt.

Auch das Fahrrad ist nicht das allein seligmachende Verkehrsmittel, auch nicht in der elektrisch betriebenen Version. Dazu ist das Wetter in Deutschland einfach zu häufig unangenehm. Und wenn bei Regen oder Schnee dann doch wieder alle ein Auto brauchen, ist nicht viel gewonnen (vgl. Flächenverbrauch s.o.). Also muss es entweder eine Möglichkeit geben bei schlechtem Wetter auf ÖPNV umzusteigen (der aber dann bei gutem Wetter völlig überdimensioniert wäre), oder wir brauchen wetterunabhängigen Radverkehr. Aber wie ginge letzteres? Wollen wir überdachte und beheizbare Radwege? Vielleicht ist das gar nicht so bescheuert, wie es sich zunächst anhört. Billiger als die derzeitigen Kosten des Individualverkehrs ist es auf jeden Fall, und auch billiger als ein überdimensionierter ÖPNV. Trotzdem halte ich es für unrealistisch, weil der politische Wille einfach nicht da ist. Es gibt ja jetzt schon jede Menge Stimmen, gegen die vergleichsweise billigen Ausbaumaßnahmen für reguläre Radwege. Und wehe, es fällt eine Fahrspur für Autos oder gar Parkplätze weg, dann ist die Kacke sofort am dampfen.

Quelle: ze.tt (via Zeit online)

https://ze.tt/cdu-politiker-fordert-parkgebuehren-fuer-fahrraeder-und-hat-gar-nichts-verstanden/