Klimatag statt Klimademos während der Schulzeit

> In Deutschland schaltet sich die Politik inzwischen tief in die technologische Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen ein. Sie verzettelt sich in Detailsteuerung. Wir bezahlen Subventionen, sprechen Quoten und Verbote aus. Die Kosten für Klimaschutz steigen im Ergebnis. Schon jetzt zählen die Kosten zur CO2-Vermeidung bei uns zu den höchsten der Welt. Die Ergebnisse hingegen sind ernüchternd: Unsere Emissionen sinken kaum. <

Da hat er recht, aber in wie fern hilft dagegen sein vorgeschlagener jährlicher “Klimatag” an den Schulen?

> Deshalb schlage ich vor, dass einmal pro Schuljahr an deutschen Schulen ein Klimatag eingeführt wird: Schülerinnen und Schüler können hier alle Facetten des Themas beleuchten – von der Physik über den Politikunterricht bis hin zur Erdkunde. <

Nicht, dass das falsch wäre, Bildung schadet nicht, insbesondere naturwissenschaftliche. Aber ein solcher Tag bewirkt nur langfristig etwas, vorausgesetzt die heutigen Schüler setzen das, was sie dort lernen, um, wenn sie erwachsen sind und die Möglichkeit dazu haben. Leider dauert es bis dahin noch mindestens ein Jahrzehnt. Es muss aber jetzt was passieren, wenn diese Schüler noch ein Leben haben sollen.

> Auf die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens zu drängen, ist legitim. Zum Glück weisen uns diese Ziele den Weg <

Schön formuliert “weist den Weg”. Allerdings passiert nicht genug. Deutschland hatte eine Zeit lang tatsächlich seinen CO2 Ausstoß gesenkt. Das hatte aber leider wenig mit irgendwelchen Maßnahmen zu tun sondern mit der Wirtschaftskrise, die durch die Bankenpleiten ausgelöst wurde. Seit die Wirtschaft wieder wächst, steigt auch der CO2-Ausstoß wieder. Statt mit allen Mitteln die Energieerzeugung von fossilen Brennstoffen auf nachhaltige Energiequellen umzustellen, steht die Bundesregierung seit Jahren auf der Bremse. Das sieht man besonders auffällig bei der Verkehrspolitik, wo sie z.B. gegenüber der EU bis heute die Interessen der Autoindustrie vertritt. Die wiederum wehrt sich mit allen Mitteln dagegen, irgendwas am Status Quo zu ändern. Und das Argument ARBEITSPLÄTZE sorgt dafür, dass die Politik kuscht. Dazu dann noch der verlängerte Lobby-Arm Bundesverkehrsminister (Scheuer, Dobrindt), der noch einen obendrauf setzt und die kriminellen Verfehlungen der Autohersteller herunterspielt und unter den Teppich zu kehren versucht.

Es passiert nichts, deshalb muss diesen Leuten Druck gemacht werden. In einer Demokratie gibt es dazu im wesentlichen zwei Mittel: Wahlen und Demonstrationen. Schülern steht das erste nicht offen, also ist es nur folgerichtig, dass sie demonstrieren.

Bleibt die Frage, ob dies in der Schulzeit sein muss, oder in der Freizeit. In Anbetracht dessen, wie wichtig das Thema ist, sehe ich die ausgefallene Unterrichtszeit als nicht so schlimm an.

> In Deutschland wird einerseits Schulausfall beklagt und andererseits wird von höchster Stelle, aus der heraus, das Schwänzen von Schulstunden bagatellisiert. <

Das Versagen der Regierung in einem Gebiet als Argument zu bringen, nicht gegen ein anderes Versagen zu demonstrieren ist schon preiswürdig.

Eigentlich ist es erschreckend, dass die Schüler alleine demonstrieren. Wo sind ihre Eltern? Wo sind die anderen Bürger, die von den drohenden Veränderungen ebenfalls betroffen sein Meter bzw. es schon sind?

Und damit kommen wir zur persönlichen Frage, “Wieso bin ich nicht auch bei diesen Demos?

Darauf habe ich leider keine zufriedenstellende Antwort.

Ist es mir egal, dass wir gerade die Zukunft der Menschheit verspielen? Vielleicht, schließlich habe ich keine Kinder und werde selbst lediglich die Anfänge der Klimaveränderungen erleben.

Habe ich wichtigeres zu tun? Eigentlich nicht. Ich könnte mir im Prinzip jeden Freitag frei nehmen und mitdemonstrieren. Das würde mich zwar meinen Urlaub kosten, aber es wäre machbar.

Habe ich Angst an einer Massenveranstaltung teilzunehmen? Angst vielleicht nicht, aber wohl fühle ich mich in großen Menschenmengen nicht. Auf der anderen Seite ist da Greta Thunberg, die am Asperger Syndrom leidet, und der es vermutlich noch wesentlich schwerer fällt, solche Veranstaltungen zu besuchen.

Was also ist meine Ausrede? Ich habe keine.

Werde ich also an der nächsten Demo teilnehmen? Vermutlich nicht. Nichts zu tun ist einfacher als irgendwas zu tun. Und ich befürchte, mit dieser Einstellung bin ich nicht alleine.

Quelle: Zeit Online, Gastartikel von Herrn Lindner

https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-03/klimaschutz-fridays-for-future-schulstreik-umweltpolitik-co2-emissionen