*Von: Helena*
*An: Niemanden*
*Betreff: (leer)*
Ich schreibe diese Mail, obwohl es kein Internet mehr gibt. Die Satelliten sind seit drei Wochen tot. Aber die Gewohnheit bleibt.
Heute habe ich den letzten funktionierenden Generator gefunden. Er läuft noch zwei Stunden. Ich lade diesen Laptop, weil… weil ich nicht weiß, was man sonst tut am Ende.
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Die Stille ist das Schlimmste. Keine Autos. Keine Flugzeuge. Keine Menschen.
Ich war Astronomin. Forschte an Gammastrahlenausbrüchen. Ironisch, dass ich jahrelang nach Signalen von dort draußen suchte – und das Ende kam von hier drinnen. Ein Virus. Banal. Nicht einmal außerirdisch.
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Gestern fand ich ein Fahrrad. Intakt. Ich bin durch die Stadt gefahren. Vorbei an meinem alten Büro. Meine Tasse steht noch auf dem Schreibtisch.
Vorbei am Café, wo ich immer freitags saß.
Vorbei an—
Ich kann nicht weiterschreiben. Zu viele Erinnerungen.
—
Der Generator läuft noch eine Stunde.
Ich habe beschlossen: Ich richte das Radioteleskop auf Proxima Centauri. 4,2 Lichtjahre entfernt. Und ich sende. Alles, was wir waren. Bach, Beethoven, Beatles. Shakespeare. Bilder der Erde, wie sie war.
Vielleicht empfängt es niemand.
Vielleicht antwortet jemand in 8,4 Jahren.
Ich werde es nicht erleben.
Aber die Botschaft fliegt. Das reicht.
—
Zwanzig Minuten noch.
Ich gehe jetzt raus. Setze mich auf die Wiese hinter dem Institut. Sehe den Sternen zu.
Sie leuchten weiter. Gleichgültig. Schön.
Wir waren hier. Das zählt.
*Sendung wird übertragen…*
*Signal gesendet.*
*Empfänger: unbekannt.*
—
**4,2 Lichtjahre entfernt, 8,4 Jahre später:**
Ein Radioteleskop erwacht. Empfängt. Analysiert.
Eine neue Zivilisation hört zum ersten Mal Musik von den Sternen.
Und antwortet.