Architektin Dr. Bauer stand vor dem neuen Hochhaus. 200 Stockwerke. Ihr Meisterwerk.
„Es wächst”, sagte Statikerin Dr. Chan.
„Was?”
„Das Gebäude. Stockwerk 201 war gestern nicht da.”
Unmöglich. Bauer prüfte die Pläne. Chan hatte recht. Ein neues Stockwerk. Nicht gebaut – gewachsen.
Sie untersuchten die Struktur. Der Beton zeigte organische Muster. Die Stahlträger… pulsierten.
„Das Biomaterial”, flüsterte Bauer. „Die selbstheilende Fassade. Es war lebendig.”
„War?”
„Es ist jetzt mehr als das. Es entwickelt sich.”
In den nächsten Wochen wuchs der Turm. Stockwerk 202. 203. 210. Die Bewohner bemerkten nichts. Aber das Gebäude begann… zu reagieren. Aufzüge kamen, bevor man sie rief. Temperatur passte sich an, bevor man fror. Wasserleitungen reparierten sich selbst.
„Es kümmert sich um die Menschen”, sagte Chan verwundert.
„Oder züchtet sie.”
Bauer fand die Wahrheit im Keller. Wurzeln. Kilometertief in die Erde. Das Hochhaus war kein Gebäude.
Es war ein Organismus. Ein Baum aus Stahl und Beton, der gelernt hatte, Menschen zu beherbergen.
„Was tun wir?” fragte Chan.
Im 215. Stock öffnete sich ein neues Fenster. Die Sicht reichte bis zu anderen Hochhäusern am Horizont.
Sie wuchsen alle.
„Nichts”, sagte Bauer leise. „Die Stadt gehört nicht mehr uns.”