Der Garten

> Die war nicht schlecht. Wie wäre es mit einer, die auf der Erde spielt?

Berlin, 2089. Die Stadt war grau geworden. Nicht durch Verschmutzung – die Luftfilter hatten das vor Jahrzehnten behoben – sondern durch die Nanobeschichtung, die jede Oberfläche überzog. Grau hielt die Temperatur stabil, reflektierte die richtigen Wellenlängen, optimierte den Energiehaushalt.

Malik saß in seiner Wohnung im 47. Stock und starrte auf den einzigen Fleck Farbe in seinem Blickfeld: ein welkes Foto seiner Großmutter in einem Garten. Echte Erde. Echte Pflanzen.

„Nostalgischer Unsinn”, hätte sein Vorgesetzter gesagt. Nahrung kam aus den Synthesetürmen. Effizienter. Sauberer. Besser.

Aber heute hatte Malik etwas gefunden. Bei Wartungsarbeiten im alten U-Bahn-System, tief unter der Stadt. Eine verschüttete Station aus den 2020ern, vergessen beim Ausbau der Maglev-Linien.

Und dort, in einem Spalt in der Betondecke, durch den Tageslicht fiel: ein Baum.

Nicht groß. Vielleicht drei Meter. Die Wurzeln hatten sich durch Risse im Beton gekrallt, Jahrzehnt um Jahrzehnt. Blätter, grün und wild, nicht optimiert oder designt.

Malik stand jetzt davor. Seine Hand berührte die Rinde. Rau. Unvollkommen. Wunderschön.

„Ungenehmigte organische Materie entdeckt”, meldete sein Implantat automatisch an die Zentrale. „Beseitigungsauftrag wird erstellt.”

Sein Finger schwebte über der Bestätigungstaste. Ein Knopfdruck, und Drohnen würden kommen. Säubern. Optimieren.

Stattdessen griff Malik in seine Tasche und zog das alte Foto heraus. Seine Großmutter, lächelnd zwischen Tomatenstauden.

„Verbindung unterbrochen”, log er dem System vor und riss sich das Implantat aus dem Handgelenk.

Der Schmerz war real. Das Blut war rot.

Der Baum raschelte im künstlichen Wind der U-Bahn-Schächte, als hätte er verstanden.

Malik lächelte zum ersten Mal seit Jahren.


Auch nicht schlecht, aber für meinen Geschmack zu Öko-nostalgisch.